Der Artstatus Europäischer Groppenarten (u.a. Cottus gobio, C. microstomus, C. perifretum, C. rhenanus) und deren Validität wird seit langem diskutiert. Nun ist hierzu ein weiterer wissenschaftlicher Artikel erschienen:

Speciation of European bullheads (Cottus spp.): The next problem for taxonomy of northern freshwater fishes

Murray, D. S., Kováč, V., Wright, D., & Copp, G. H. (2026). Speciation of European bullheads (Cottus spp.): The next problem for taxonomy of northern freshwater fishes. Journal of Fish Biology, 1–12. https://doi.org/10.1111/jfb.70380

Abstract

„High morphological and ecological diversity displayed by European bullheads led Freyhof et al. (2005) to describe 15 nominal species. However, the basis for declaring these nominal species is contentious due to a lack of rigorous statistical analysis of morphological variations among populations, limitations in the inferences made from previous generations of molecular studies, a dearth of next-generation sequencing tools for European bullheads and an underestimation of the complexity of evolutionary processes. Here, we argue that the current evidence is insufficient for accurate speciation of European bullhead into the nominal species proposed by Freyhof et al. (2005). We suggest that future studies incorporate analytical approaches such as chromosome-level reference genomes, integration of multiple biological data sources into multispecies coalescent models and rigorous statistical analysis of the full range of morphological characters, both meristic and mensural. Furthermore, we highlight the necessity of incorporating a standardised conceptual framework while considering bullhead speciation, as well as some practical suggestions of what such a process would look like.“

Abstract (deutsche Übersetzung)

„Die hohe morphologische und ökologische Vielfalt der Europäischen Groppen veranlasste[n] Freyhof et al. (2005) dazu, 15 nominelle Arten zu beschreiben. Die Grundlage für die Festlegung dieser nominellen Arten ist jedoch umstritten, da es an einer strengen statistischen Analyse der morphologischen Variationen zwischen den Populationen mangelt, die Schlussfolgerungen aus früheren Generationen molekularer Studien begrenzt sind, es an Next-Generation-Sequencing-Tools für Europäische Groppen mangelt und die Komplexität evolutionärer Prozesse unterschätzt wird. Wir argumentieren hier, dass die derzeitigen Beweise für eine genaue Speziation der europäischen Groppen in die von Freyhof et al. (2005) vorgeschlagenen nominellen Arten unzureichend sind. Wir schlagen vor, dass zukünftige Studien analytische Ansätze wie Referenzgenome auf Chromosomenebene, die Integration mehrerer biologischer Datenquellen in multispezifische Koaleszenzmodelle und eine strenge statistische Analyse des gesamten Spektrums morphologischer Merkmale, sowohl meristischer als auch mesuraler, einbeziehen. Darüber hinaus betonen wir die Notwendigkeit, einen standardisierten konzeptionellen Rahmen bei der Betrachtung der Speziation von Groppen einzubeziehen, und geben einige praktische Vorschläge, wie ein solcher Prozess aussehen könnte.“
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Fachbegriffe:

  • Koaleszenzmodelle sind mathematischen Modelle der Populationsgenetik, die Prozesse beschreiben, bei denen Genlinien rückwärts in der Zeit zu einem gemeinsamen Vorfahren „verschmelzen“ (Koaleszenz).
  • Meristische Merkmale (meristic characters) beziehen sich auf zählbare Strukturen, wie etwa die Anzahl von Schuppen, Wirbeln oder Flossenstrahlen. Mensurale Merkmale (mensural characters) beziehen sich auf messbare Dimensionen, wie Körperlänge, Kopfbreite oder Abstände zwischen bestimmten Körperpunkten (oft auch als morphometrische Merkmale bezeichnet).

Hintergrundfoto: Cottus gobio Linnaeus, 1758. Observed in Switzerland by Koni von Arb (licensed under http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/). Quelle: https://www.gbif.org/occurrence/5840290873