Jena/Köln. Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) vom 24.03.2026:

Altern im Zeitraffer: Kurzlebiger Fisch liefert neue Einblicke in das alternde Immunsystem

Mit zunehmendem Alter verliert das Immunsystem seine Leistungsfähigkeit, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen und alternsbedingte Erkrankungen führt. Forschende des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) haben mit Hilfe des kurzlebigen Türkisen Prachtgrundkärpflings (Killifisch) (Nothobranchius furzeri) eine umfassende molekulare und zelluläre Karte der Immunalterung eines Wirbeltiers erstellt. Mit einem Multi-Omics-Ansatz identifizierten sie wichtige Merkmale der Immunalterung und zeigten, dass wesentliche Prozesse der Immunalterung evolutionär konserviert sind. Damit eignet sich der Killifisch als Modell zur Erforschung der Mechanismen der Immunalterung und Erprobung potenzieller Interventionen.

Nothobranchius furzeri Copyright: FLI / Nadine Grimm

Unser Immunsystem schützt den Körper ein Leben lang vor Infektionen und schädlichen Veränderungen. Mit zunehmendem Alter verliert es jedoch an Leistungsfähigkeit, wodurch das Risiko für Krankheiten steigt. Doch was passiert, wenn das Immunsystem altert – und lässt sich dieser Prozess möglicherweise aufhalten?

Schlüsselmerkmale der Immunalterung

In einer jetzt in Nature Aging (Cover-Story) veröffentlichten Studie sind Forschende des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz Lipmann Institut (FLI) der Beantwortung dieser Fragen einen wichtigen Schritt näher gekommen. Sie nutzten die extrem kurze Lebensdauer des Türkisen Prachtgrundkärpflings (Nothobranchius furzeri) und identifizierten innerhalb weniger Wochen Schlüsselmerkmale der Immunalterung. Damit eignet sich dieses Modell besonders gut für schnelle mechanistische Entdeckungen und die Erprobung potenzieller Interventionen.

Analysemethoden

Die Studie kombiniert verschiedene Analysemethoden, wie beispielsweise Zytometrie, Einzelzell-Transkriptomik, Proteomik, KI-gestützte Bildklassifizierung, In-situ-Bildgebung, Histologie und funktionelle Immunassays. Mit der neu eingerichteten offen zugänglichen Multi-Omics-Ressource KIAMO bietet sie damit einen umfassenden Überblick über die Immunalterung bei einem kurzlebigen Wirbeltier. Die Arbeiten begannen am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns (MPI-AGE) in Köln und wurden später am FLI in Jena fortgesetzt.

Die Forschenden zeigen, dass wichtige Merkmale der Immunalterung beim Killifisch auftreten und denen bei Säugetieren und Menschen auffallend ähnlich sind. Die Studie liefert so einzigartige Einblicke in die Mechanismen der sogenannten „Immunalterung“. Da Killifische nur wenige Monate leben, lassen sich Alternsprozesse innerhalb weniger Wochen im Zeitraffer beobachten – ein großer Vorteil für die experimentelle Forschung.

„Das Killifisch-System überrascht uns immer wieder, denn es zeigt, dass Schlüsselaspekte der Immunalterung – sowohl auf molekularer als auch auf zellulärer Ebene – stark evolutionär konserviert sind“, sagt Prof. Dario Riccardo Valenzano, Pionier der Killifischforschung und Wissenschaftlicher Direktor des FLI. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Killifische bestens als Modell eignen, um Interventionen zu testen, mit denen durch gezielte Beeinflussung der Immunalterung die systemische Alterung verbessert werden kann.“

Lies mehr:

IDW-online https://idw-online.de/de/news868104

Originalpublikation:

Spontaneous aging-associated inflammation and genome instability in the immune system of turquoise killifish. Morabito G, Dönertas HM, Sperti L, Seidel J, Poursadegh Zonouzi A, Poeschla M, Valenzano DR. Nat Aging. 2026, 6(3):665-681. DOI: 10.1038/s43587-026-01086-2.


Foto im Text, Hintergrundfoto: Der Türkise Prachtgrundkärpfling (Nothobranchius furzeri, Killifisch) stellt eine leistungsstarke Versuchsplattform dar, um die Immunalterung bei Wirbeltieren zu untersuchen und Strategien zur Verbesserung der Gesundheit im Alter schneller voranzutreiben. Copyright: FLI / Nadine Grimm