Neue Studie bringt niedrige Konzentrationen des Insektizids Chlorpyrifos mit Alterungsprozessen bei Wildfischen in Verbindung
Aktuell in SCIENCE erschienen:
Huang, K., Zhang, Z., Han, G., Kong, R., Qin, H., Zhang, H., Letcher, R.J., Qiu, W., Liu, C., Shi, J., Rohr, J.R. (2026): Chronic low-dose exposure to chlorpyrifos reduces life span in a wild fish by accelerating aging. Science, https: doi.org/10.1126/science.ady4727
Weiterhin globale Anwendung von Chlorpyrifos in der Landwirtschaft
Chlorpyrifos ist ein Organophosphor-Insektizid, das seit Jahrzehnten weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Während europäische Länder, China, die USA und einige weitere Staaten die Anwendung eingeschränkt haben, wird es in vielen anderen Teilen der Welt weiterhin verwendet. Eine Studie, die am 15.01.2026 in Science erschienen ist, verknüpft nun eine Exposition gegenüber niedrigen Chlorpyrifos-Dosen mit der Telomerlänge und dem Alterungsprozess bei einer Fischart (lake skygazer, Culter dabryi).
Beschleunigte Telomerverkürzung als Reaktion auf eine chronische Exposition
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China und den USA bestimmten über viele Jahre hinweg die Konzentrationen mehrerer Pestizide in den Lebern der Fische und konnten die Pestizidbelastung in drei chinesischen Seen mit unterschiedlichem Verschmutzungsgrad mit der Telomerlänge der Fische in Beziehung setzen. Telomere spielen eine wichtige Rolle bei der Kodierung der DNA und verkürzen sich im Verlauf des Lebens eines Organismus. Die Studie zeigte eine beschleunigte Telomerverkürzung als Reaktion auf eine chronische Exposition gegenüber niedrigen Chemikalienkonzentrationen. Auf Basis der Felddaten erhielten die Forschenden Hinweise darauf, dass das Insektizid Chlorpyrifos der wahrscheinlichste Verursacher der beobachteten Effekte war.
Kombination von Feld- und Laboransätzen
Um diese Hypothese zu überprüfen, testeten sie anschließend im Labor niedrige Chlorpyrifos-Konzentrationen (10 und 50 ng/L) und stellten fest, dass exakt dieselben Effekte auf die chromosomale Telomerlänge auftraten, wie sie im Freiland dokumentiert worden waren. Diese elegante Kombination von Feld- und Laboransätzen ist in der Ökotoxikologie selten, liefert jedoch ein eindrucksvolles und sehr überzeugendes Argument in der Debatte um chronische Niedrigdosis-Pestizideffekte auf relevante Endpunkte bei Wildtieren.
Text: Ralf Schulz, RPTU Landau
Hintergrundfoto: Cyprinus carpio, GfI (HB)