Das Büro BioConsult GmbH & Co. KG (Bremen) informiert über ein neues Projekt, welches Anfang 2026 gestartet ist:
BeFisch – Bestandsförderung von gefährdeten Fischarten (FKZ: 3525520200)
Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre (2026-2029) und wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN, Vilm) gefördert.
https://www.bfn.de/projektsteckbriefe/bestandsfoerderung-von-gefaehrdeten-fischarten-befisch
Wiederansiedlungsplan für den Nordseeschnäpel
Ziel ist die Erarbeitung eines konkreten Wiederansiedlungsplans für den Nordseeschnäpel – aufbauend auf der Machbarkeitsstudie von Schulze et al. (2025). In einem ersten Schritt sollen Wissenslücken geschlossen und Informationen zur aktuellen Bestandssituation des Nordseeschnäpels zusammengetragen werden.
Im Fokus stehen vier potenzielle Wiederansiedlungsgewässer:
- Wümme,
- Oste,
- Treene und
- Stör.
Geprüft werden soll u.a. Habitatqualität, Durchgängigkeit, Laich- und Aufwuchsbereiche sowie die Prädatorensituation. In der Treene sind zudem praktische Untersuchungen geplant, darunter die Besenderung von Laichtieren sowie die Erfassung von Larven und Jungfischen.
Ergänzend erfolgen Gewässerkartierungen und ein Austausch mit nationalen und internationalen Expertinnen und Experten.
Der Wiederansiedlungsplan soll konkrete Maßnahmenvorschläge zur Verbesserung der Durchgängigkeit und der Habitatqualität sowie für den Besatz enthalten.
Von den geplanten Maßnahmen zur Verbesserung von Durchgängigkeit und Habitatqualität profitieren auch andere Wanderfischarten und die Gewässerökosysteme insgesamt.
Einbindung aller beteiligten Akteure
Das Projekt setzt auf eine enge Einbindung aller beteiligten Akteure. Ziel ist es, gemeinsam die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung zu schaffen.
Kontakt
Sandra Schulze
schulze@bioconsult.de
Telefon: +49 (0)421 694981 – 23
Machbarkeitsstudie
Schulze, S., Christiansen, T., Scholle, J., Nobis, G., & Schuchardt, B. (2025). Wiedereinbürgerung des Nordseeschnäpels (Coregonus oxyrinchus) in deutschen Nordseegewässern. Machbarkeitsstudie. BfN-Schriften 713. Bundesamt für Naturschutz, Bonn Download
Verwirrung zur taxonomischen Einordnung des Nordseeschnäpels
Hierzu schreiben Schulze et al. (2025):
„(…) besteht seit längerem ein wissenschaftlicher Dissens zur Artabgrenzung. Zum einen ist es möglich, dass
- C. oxyrinchus historisch nur im Rhein und westlich davon vorgekommen und seit ca. 1940 ausgestorben ist und alle Schnäpel-Populationen der Nordsee östlich des Rheins sowie in der Ostsee C. maraena zuzuordnen waren und sind (v. a. Freyhof und Schöter 2005).
- Zum anderen ist es möglich, dass die historischen, v. a. im Wattenmeer und den zugehörigen Ästuaren verbreiteten Schnäpel-Populationen (die auch ca. 1940 weitgehend verschwunden sind) (auch) als C. oxyrinchus oder zumindest als eigenständige „Evolutionarily Significant Unit“ (ESU) (Waples 1991) einzuordnen waren bzw. sind (Jepsen et al. 2012, Jensen et al. 2015, Winter 2017).“
Darstellung im GfI-Fischartenatlas
Im GfI-Fischartenatlas werden beide „Arten“ dargestellt, wobei die Zuordnung zu C. maraena einerseits oder zu C. oxyrinchus andererseits den Angaben in den zitierten Literaturquellen folgt. Daraus ergibt sich ein unbefriedigendes, verwirrendes Bild. Aus Sicht der Atlasredaktion wäre es wünschenswert, wenn das hier angekündigte Projekt Klarheit in diesem nun schon langanhaltenden Expertendiskurs geben würde.

Quelle: GfI-Fischartenatlas
Nordsee-Schnäpel Coregonus oxyrinchus https://biodiv-atlas.de/fische/#!/species/40110/details
Schnäpel Coregonus maraena https://biodiv-atlas.de/fische/#!/species/40109/details
Hintergrundfoto: Schnäpelnachweis Weser Rechtenfleth 26.07.2018, km 45 (Foto: BioConsult). Quelle: Schulze et al. (2025).