Press release from the Max Planck Institute for Biological Intelligence dated 10 April 2026:
Underwater architects: How do snail cichlids build the perfect nest?
• Nest-building in fish: Snail cichlids build nests from empty snail shells to seek shelter and raise their young
• Fixed behavioural patterns: Following a typical sequence of different behavioural motifs, they bury the snail shell in the sand. However, they can react flexibly to changes (e.g. in the geometry of the snail shell)
• Innate behaviour: Even fish with no prior contact with snail shells know how to build the nest. Although they take longer the first time, they become more skilled with practice
• Cognitive component: In nest-building, alongside innate behavioural patterns, the ability to adapt and learn also plays a role
We associate a nest with protection, warmth and a safe haven – and usually think of a bird’s nest made of twigs, grass and feathers. Yet many animals benefit from such a refuge: nests are built by everything from termites to great apes and impress with their wide variety of shapes and the diverse materials used.
Snail cichlid (Lamprologus ocellatus)
Underwater and equipped ‘only’ with fins, nest-building in fish seems somewhat difficult at first glance. Yet here too there are astonishing inventions: burrows in the sandy substrate, foam nests or abandoned snail shells repurposed as nests – as is the case with the ocellated cichlid (Lamprologus ocellatus). These fish are found exclusively in Lake Tanganyika in Africa and use empty snail shells to seek shelter and raise their young. To do this, the snail shell is positioned in the sand and covered in a species-specific manner – only then is it the perfect home.

Snail cichlids build nests from discarded snail shells. A new study shows that this behaviour is innate. However, the fish become increasingly skilled at nest-building with practice. Copyright: © MPI for Biological Intelligence / Swantje Grätsch
Wissen vererbt oder erlernt?
Und genau da ergeben sich aus biologischer Sicht interessante Fragen: Woher wissen die Schneckenbuntbarsche, wie das Nest auszusehen hat und wie sie ans Ziel kommen? Bekommen sie dieses Wissen vererbt oder müssen sie es erst erlernen? Ein Team aus Herwig Baiers Abteilung am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz hat nun genau diese Fragen in einer neuen Studie untersucht.
Zunächst zeigte das Team mit 3D-gedruckten Schneckenhäusern, dass der Nestbau aus einer klar definierten Abfolge von verschiedenen Verhaltensweisen besteht und etwa drei Stunden dauert: Nach dem ersten Kontakt mit dem Schneckenhaus graben die Fische mit dem Körper und dem Maul eine Grube. Dann greifen sie mit dem Maul das Schneckenhaus und manövrieren es im Uhrzeigersinn in diese Grube. Das wiederholen sie so oft, bis es mit der Spitze nach unten im Sand liegt und die Öffnung oben herausragt. Zuletzt wird mit schnellen Körperbewegungen Sand in die Richtung des Schneckenhauses geschleudert, um das Nest damit zu bedecken.
Um zu testen, ob dies ein angeborenes Verhaltensprogramm ist, zog das Team Fische in Aquarien ohne Schneckenhäuser auf. Wurden sie als ausgewachsene Fische dann mit Schneckenhäusern zusammengebracht, zeigten auch sie das typische Nestbauprogramm. Allerdings stellten sich die ungeübten Tiere etwas ungeschickt an und brauchten bis zum perfekten Nest im Durchschnitt etwa 12 Stunden. Doch diese Unbeholfenheit war nicht von Dauer: Wurden die Tiere zu einem späteren Zeitpunkt erneut mit Schneckenhäusern zusammengebracht, waren sie deutlich schneller und geschickter (im Durchschnitt etwa viereinhalb Stunden bei ihrem dritten Nestbau).
Übung macht den Meister
Die einzelnen Schritte beim Nestbau sind demnach angeboren, zu richtigen Bau-Experten werden Schneckenbuntbarsche aber erst durch Übung. Das Erstaunliche: Erhielten die Tiere nach einem Jahr ohne Schneckenhaus wieder die Gelegenheit zum Nestbau, waren sie immer noch geübte Architekten und mussten nicht bei Null anfangen – sie konnten sich selbst nach dieser langen Zeit noch an das Erlernte erinnern.
Doch sind die Fische während des angeborenen Nestbau-Programms in der Lage, auf Veränderungen einzugehen oder läuft der Prozess nach einem starren Muster ab? Um das zu verstehen, statteten die Forscherinnen und Forscher die Aquarien mit 3D-gedruckten, linksdrehenden Schneckenhäusern aus. Diese kommen in der Natur nur äußert selten vor und sind genau spiegelverkehrt zu den Häusern, die die Tiere sonst gewöhnt sind. Interessanterweise hatten die Tiere nach kurzer Zeit sprichwörtlich den Dreh raus und passten ihr Verhalten an: Sie bewegten das Schneckenhaus nicht im, sondern gegen den Uhrzeigersinn in den Sand.
„Die längste Zeit wurde angenommen, dass der Nestbau aus rein angeboren Verhaltensmustern besteht. Untersuchungen bei Vögeln und unsere Studie zeigen aber, dass kognitive Fähigkeiten wie Lernen, Erinnern oder Anpassen eine wichtige Rolle spielen“, sagt Swantje Grätsch, Projektleiterin am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz und Erstautorin der Studie. „Dementsprechend konnten wir zeigen, dass während des Nestbaus beim Schneckenbuntbarsch die Gehirnregionen aktiv sind, die genau für solche Fähigkeiten verantwortlich sind. Wir beginnen erst allmählich zu verstehen, wie komplex dieses zielgerichtete Verhalten und die zugrundeliegenden Vorgänge im Gehirn sind.“
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Swantje Grätsch
Projektleiterin
MPI für biologische Intelligenz
Swantje.graetsch@bi.mpg.de
Originalpublikation:
Cognitive ethology of nest building in a shell-dwelling cichlid
Swantje Grätsch, Alessandro Dorigo, Vaishnavi Agarwal, Ash V. Parker, Isabela Hernández Murcia, Manuel Stemmer, Abdelrahman Adel, Alex Jordan, Herwig Baier
Current Biology, online 10. April 2026
Weitere Informationen:
https://www.bi.mpg.de/baier/de – Webseite der Abteilung
Video:
So geht´s:

Der Nestbau der Schneckenbuntbarsche besteht aus einer klar definierten Abfolge verschiedener Verhaltensmotive, welche hier dargestellt sind. Copyright: © MPI für biologische Intelligenz / Christina Bielmeier.
Hintergrundfoto: By User:Regani – Own work, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1236832 [verändert]